Blutmond  


Mondfinsternis 2018 am Strand von Mardorf/Steinhuder Meer, Komposition/Panorama

Ein Begriff den die Medien und die Presse gerne nutzen, um Ihre Einschaltquoten oder die Auflage Ihrer Zeitung zu steigern. Astronomisch ist es einfach eine Mondfinsternis wie sie immer wieder in unregelmäßigen Abständen stattfindet. So geschehen am 21.01.2019. Nachdem wir es im Sommer 2018 schön warm hatten und unsere Beobachtung  bequem am Strand genießen konnten, waren es dieses Mal eisige Temperaturen. Bei frostigen -10,5°C und Bodennebel habe ich mich mit anderen Hobby-Astrofotografen um 3 Uhr früh getroffen um die letzte Totale-Mondfinsternis für die nächsten 10 Jahre  zu fotografieren.

„Verrückt“ meint Ihr? Ja, das war es auch. Aber eine Totale-Mondfinsternis ist schon etwas Besonderes und da macht man auch mal was Verrücktes.  

Die Vorbereitung  

Aber auch verrückte Sachen brauchen eine gute Vorbereitung. So habe ich schon kurz nach der letzten Mondfinsternis geschaut, wo man bei uns in der Region das nächste Ereignis am besten Fotografieren kann. Ein gute Sicht nach Westen ohne störende Bäume oder Gebäude sollte es sein. Am besten ein kleiner Berg, oder Hügel. So wie der Stemmer Berg bei Barsinghausen. Mit ca. 130m ü.n.N. und einer Wahnsinns Rundumsicht ein Perfekter Spot um den Mond in einem Zeitrafferfilm zu fotografieren. Der Spot stand also sehr schnell fest, doch die Spannende Zeit der Vorbereitung begann erst eine Woche vorher. Ich schaute immer wieder gespannt auf meine Wetter-Apps, den eine Woche zuvor lag noch ein riesiges Wolkenband über ganz Europa. Es waren also alles andere als gute Bedingungen in Aussicht. Trotzdem habe ich meine Ausrüstung auf alle Eventualitäten überprüft. Die Kamera und das Objektiv nochmals gereinigt, mich mehrmals davon überzeugt das auch das Zubehör welches ich benötige Vollständig ist und alle Batterien und Akkus geladen sind. Oft ändert sich das Wetter  in nur wenigen Stunden und dann muss es manchmal auch schnell gehen.  

In der Zeitung

Mittlerweile hat auch die Hannoversche Allgemeine Zeitung / HAZ durch einen befreundeten Astrofotografen, zu mir Kontakt aufgenommen. Sie haben ein Interview zum Thema Mondfinsternis und Astrofotografie mit mir gemacht. Diesen Artikel konnte man Online und am 16.01.2019 auch in der Druckausgabe im Hannover Teil lesen. Ihr könnt ihn hier gerne nochmal lesen. Es ist ein recht langer Artikel geworden in den auch einige meiner Bilder Veröffentlicht wurden.



Tag/Nacht der Finsternis  

Eintritt in den Erdschatten

Zu unserem Glück kündigte sich am Tag der Mondfinsternis das beste Wetter an und auch Nachts sollte es ein super Seeing geben. Zumindest hatten es alle Wettervorhersagen so Angekündigt. Es schien also den ganzen Tag Sonne und als ich mich am frühen Abend noch Mal hingelegt hatte um  in der Nacht nicht schlapp zu machen, zogen doch tatsächlich die Wolken auf. Aber ich vertraute der Wettervorhersage und hoffte darauf das sich die Wolken wieder auflösen. Als mich mein Wecker um 2 Uhr weckte, war mein erster Gedanke, „ Was ist mit den Wolken", sind sie noch da? Ein schneller Blick aus dem Fenster brachte Gewissheit. Alles Top am Himmel. Alle Wolken hatten sich verzogen. Hoch motiviert machte ich mich fertig. Noch schnell eine Kanne Kaffee gekocht und den Thermoanzug angezogen. Bei 23°C Zimmertemperatur wurde mir dann mal so richtig warm 😊. Aber das war Ok, den draußen waren es eisige -10,5°C und der Anzug sollte mich schön warm halten. Für warme Füße sorgten die Selbstheizenden Einlagen die die Füße bis zu 8 Std. auf angenehme Temperatur hielten und bei einer Insgesamt Warmen Körpertemperatur bekommt man dann auch bei diesen eisigen Temperaturen keine kalten Hände mehr. Die Tasche war gepackt und die Restliche Ausrüstung war bereits im Auto. Es konnte also los gehen. Ich muss dazu sagen dass ich auf ungefähr 120m ü.n.N. Wohne und ich den dichten Nebel der mich auf der Fahrt zum Spot überraschen sollte nichts ahnte. Ich fuhr also gegen 2:50 Uhr los um mich mit der anderen am Spot zu Treffen und steckte schon nach kurzer Zeit im dichtesten Nebel der ganzen letzten Wochen. Na toll dacht ich mir und hoffte das der Nebel am Spot auch unterhalb von uns liegen würde. Und so war es zu unseren Glück dann auch. Oben am Hügel war noch kein Nebel, aber wir konnten ihn unterhalb vom Spot gut sehen wie er sich immer wieder etwas anhob und auch wieder senkte. Das sah echt toll aus.  

Die Aufnahme Startet.  

Die Totalität wurde um 6:12 Uhr erreicht. Man konnte jetzt auch vereinzelt die Sterne sehen.

Gegen 3.15 waren wir auf dem Berg angekommen und bauten auch gleich die Kameras auf.Erst das Stativ in Waage ausrichten und die Nachführung am Polarstern einnorden. Das ist wichtig, damit die Kamera immer genau auf den Mond Ausgerichtet bleibt während der Aufnahmen. Das selbe mache ich auch immer, wenn ich die Sterne und Planetarischen Nebel fotografiere. Nachdem die Kamera und das 400mm Objektiv auf den Mond eingestellt waren und das erste Testbild gemacht wurde, konnte ich die Aufnahme für das Zeitraffer starten. Ich hatte mich entschieden alle 10 Sekunden ein Bild zu machen. Über einen Zeitraum von 5 Std. kommen da schon eine Menge Bilder zusammen. Am Ende sollten es etwas mehr als 1800 Bilder werden. Die Kamera machte jetzt Ihre Aufnahmen und wir Quatschen und Tauschten uns ständig über die Kameraeinstellungen aus, denn alle paar Minuten mussten diese neu eingestellt werden. Die Belichtungszeit musste, während der Mond immer mehr von Erdschatten Verdunkelt wurde, angepasst werden. So kamen bei mir Belichtungszeiten zw. 1/250s–6s. Zustande. Bei einer Blende f11 und ISO-Werte von 100-3200.Die anderen und ich waren also immer wieder gezwungen die Einstellungen zu Überprüfen und anzupassen.  

Das vereiste Equipment

Die Panne 

Ihr fragt euch sicher was mit dem Nebel ist. Der war noch da und ist immer mal wieder etwas aufgestiegen und hatte uns den Mond ein wenig verdeckt, was man auch auf den Bilder leider auch sehen kann und dadurch etwas an Details und Schärfe verloren gegangen war. Insgesamt war die Sicht aber gut. Allerdings hatte der Nebel seine Spuren an der Ausrüstung hinterlassen. Die meisten Teile die nicht beheizt wurden, sowie das Objektiv oder die Powerbank die die Nachführung mit Strom Versorgte, hatten Frost angesetzt. Das wurde dann auch später zu meinen Problem, als ich den Akku der Kamera wechseln musste. Das Batteriefach war festgefroren und ich konnte nur mit Mühe das Fach öffnen. Dabei hatte ich die genaue Ausrichtung auf den Mond etwas verändert. Nur minimal, aber für das Zeitraffer war es eine Katastrophe. Ich wusste sofort das die Nachbearbeitung eine Mamut Aufgabe werden würde. Alle Einzelbilder werde ich manuell neu ausrichten müssen. Aber dazu später mehr.

Nach dem Akkuwechsel lief zum Glück keine Probleme mehr. Gegen 8 Uhr hob  sich Nebel und die Wolken verdeckten immer mehr den Mond. Das war dann zugleich auch das Ende einer Aufregenden Mondfinsternis 2019.  

Die Bearbeitung 

Austritt aus den Erdschatten

Wie ich ja oben schon angemerkt habe, sollte sich die Nachbearbeitung wegen der Panne mit dem Akkufach sehr schwierig gestalten. So schwierig das ich bis jetzt noch keine Lösung gefunden habe, wie man die vielen Einzelbilder des Mondes so korrekt Ausrichten kann, dass auf allen Bildern der Mond an derselben Stelle ist. Eventuell bekomme ich es in Zukunft noch irgendwie hin, aber so kann ich Euch schon mal eine Komposition zeigen die Euch den Eindruck vermitteln soll, wie es in dieser kalten Nacht gewesen war.  

Durch den immer wieder Aufsteigenden Nebel wurde die Gesamte Landschaft mit einen weißen Schleier bedeckt. Die kleinen Wassertröpfchen gefroren bei -10,5°C sofort, wenn sie sich auf einen Busch, einen Baum oder auch eine Kamera gelegt hatten.

Die Aufnahmen vom Mond sind also aus den Timelapse und mit einen alten manuellen 400mm Objektiv aufgenommen worden. Mit Photoshop wurden dann alle Bilder einzeln bearbeitet und in die Aufnahme mit mir im Vordergrund, wie ich mit meiner Kameraausrüstung auf dem Stemmer Berg stehe und die Mondfinsternis fotografiere, eingefügt. Ich habe versucht die Mondbahn und die Verschiedenen Phasen möglichst genau dazustellen. Man kann deutlich erkennen wie der Erdschatten nach und nach über unseren kleinen Nachbarn wandert.  

Gesamtverlauf der FinsternisHier seht ihr die einzelnen Phasen der Finsternis in einer Komposition festgehalten.

Ein außergewöhnlicher Anblick den ich gerne mit Euch teile.  

Wie habt Ihr denn die Mondfinsternis erlebt, oder habt Ihr sie verpasst, weil Ihr doch lieber in euren warmen Bett liegen bleiben wolltet. Wenn ja, dann ist es sehr schade, denn die nächste totale Mondfinsternis findet erst an Sylvester 2028 statt. Ich bin mir sicher, wenn das Wetter mit macht, wird die jeder von Euch sehen können.  

Clearsky Euer Andy